„Hört nie auf, im Leben zu lernen“

Mittelschüler der 9. Klassen erhielten ihre Zeugnisse überreicht – Nachdenkliche Worte



Für 36 Schüler, 30 aus den beiden Regelklassen 9b und 9c sowie sechs aus der Klasse 9aM der Karl-Peter-Obermaier-Mittelschule, ging der Schulalltag zu Ende. Sie haben nach neun Jahren ein wichtiges Etappenziel erreicht und durften am Donnerstag ihre Entlasszeugnisse entgegennehmen.

Die drei Schulbesten wurden besonders geehrt. Coronakonform wurde die Abschiedsfeier in der dekorierten Dreifachturnhalle abgehalten, musikalisch umrahmt von der Lehrer- und Schülerband.Stadträtin Sylvia Ebner-Fuchs gratulierte in Vertretung von Bürgermeister Markus Hofmann zum bestandenen Schulabschluss. Das Ende der Schulzeit bedeute aber auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. „Freuen Sie sich auf diesen neuen Lebensabschnitt und nehmen Sie die Herausforderungen an“, appellierte sie an die Schulabgänger.

Neue Lerninhalte warten

In seiner Abschlussrede erwähnte Konrektor Marco Kerscher zunächst, dass die Schüler am Ende eines ersten bedeutenden Weges angelangt seien. Sie hätten einen ersten Abschluss, auf den sie stolz sein könnten. Auf sie warte nun Abschnitt zwei der Schulpflicht, sei es in der Berufsschule oder bei anderen Möglichkeiten im Dschungel der bayerischen Schullandschaft. Es werde spannend. Denn dort warten viele aufregende, neue Lerninhalte. Und die Zeit in den Betrieben sei ebenso mit Herausforderungen gespickt. Die Wirtschaft und die Gesellschaft würden auf die Schulabsolventen warten.Jugendliche wünschen sich von ihrem Leben allerdings auch eins: Selbstverwirklichung. Selbstverwirklichung bedeute für junge Erwachsene zuerst die Verwirklichung als Mensch im Gegenüber. Auf gut Deutsch: Jugendliche wollen vor allem ihren Freunden begegnen. Sie wollen andere kennenlernen und sich austauschen. Intensiv, Tag für Tag, am besten auch nachts und irgendwie ohne Ende.Zahlreiche digitale Kommunikationskanäle quellen über und die Datenvolumina hätten in den letzten Jahren exorbitante und geradezu astronomische Zahlen erreicht; und das nur, weil vor allem die Jugend sich begegnen will. Und warum dieser ganze Aufwand? Warum nicht einfach zuhause bleiben und sich einfach mit sich selbst beschäftigen? Wäre doch viel gemütlicher, viel einfacher, viel praktischer, viel billiger, viel chilliger“, so Kerscher. Heute wisse man: Jugendliche lernen sich nicht im Alleinsein kennen, sondern in der Begegnung mit anderen. Wenn wir also anderen begegneten, so sei es auch immer die Begegnung mit uns selbst. „Sie wollen sich kennenlernen, weil dieses Kennenlernen auch bedeutet, dass man mit der Zeit ruhiger wird, dass man findet, was man sucht und sich dann eben selbst verwirklicht.“ Bereits im 2. Jahrhundert nach Christus habe Marc Aurel diese Erkenntnis auf die einfache Formel gebracht: „Wir sind solange gleichzeitig Sklave und Sklaventreiber unserer selbst, so lange wir uns nicht selbst gefunden haben“. So würden unsere Kinder und Jugendliche also mitunter recht haben, wenn sie behaupten: „Zuerst der Spaß, dann die Arbeit“.Aus eigenen Fehlern lernenAm Ende seiner Rede betonte Marco Kerscher, dass das eben Ausgeführte kein Freibrief für dauerhaftes Nichtstun und ewigen Urlaub im „Hotel Mama“ sein solle, wohl aber ein Appell, auch mal dem Bauchgefühl mehr Mitsprache einzuräumen. „Denn es kann nur der Mensch etwas leisten, der über den Weg der Freude und Freunde sich auch intensiv kennenlernen darf.“Als Lehrer gab Kerscher den Absolventen noch einige lehrreiche Sätze mit auf den Weg: „Glaubt an euch selbst, seid nie nur Kopie, seid immer ganz Ihr. Gebt nie auf, lernt aus eigenen Fehlern, überwindet Hindernisse, hört nie auf zu lernen, seid füreinander da“.

Abschlussworte der Schülerinnen und Schüler von Mia Feil und Julia Schlesorg

Den Schülerworten von Mia Feil und Julia Schlesorg, die ausdrückten, dass ihre Klassen viele Höhen und Tiefen überwinden mussten, folgten die Schlussworte der Klassenleiter Jürgen Baumann und Josef Schmuderer. Die Entlassschüler Klassen 9b und 9c verteilten noch Abschiedsgeschenke. Dann wurden ihnen die Zeugnisse überreicht. Zum Abschluss erfolgte die Segnung durch Kaplan Meckel.

Die Klassenbesten

Bei der Abschiedsfeier wurden auch die Klassenbesten geehrt. Es sind dies aus der Klasse 9b Moritz Wieser, der auch landkreisweit unter den Besten ist (Notendurchschnitt 1,3), und Julia Schlensog (1,8) sowie aus der Klasse 9c Elhana Ikic (Notendurchschnitt 1,7).


Aus der Bad Kötztinger Zeitung vom 30. Juli 2021