Richtig lüften gegen das Virus

Schulverband Mittelschule Bad Kötzting debattiert über den Kauf von mobilen Luftreinigern, stellt das Thema aber vorerst zurück. Noch sind einige Fragen offen


Günther Kirchberger von der Regensburger Firma li-ex stellte den Vernadsräten ein mobiles Luftreinigungsgerät vor.

Um die Ansteckung mit Corona zu verringern, muss in den Klassenzimmern richtig gelüftet werden. Doch reicht da eine Stoßlüftung alle 20 Minuten? Braucht es technische Hilfe, etwa durch moderne Luftreiniger, die die Viren abtöten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Schulverband Mittelschule Bad Kötzting am Mittwoch. Noch sind viele Fragen offen. Die Mitglieder vertagten daher die Entscheidung über eine Anschaffung technischer Geräte.


Luftreiniger in Schulen: Pro und Kontra

Stefan Baumgartner, Verbandsvorsitzender und Chamerauer Bürgermeister, fasste seine Haltung so zusammen: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits fordern die Eltern solche Luftreiniger, es gibt Fördermittel und wir wollen uns ja nicht sagen lassen, wir hätten nichts getan.“ Auf der anderen Seite sei der Markt der Luftreiniger momentan erschöpft, Fragen der Förderung ungeklärt und ein Präsenzunterricht – zumindest im Landkreis Cham – wegen der hohen Inzidenz noch nicht in Sicht. „Wir kommen auch mit den Impfungen voran. Brauchen wir diese Geräte auf längere Sicht wirklich? Ist es nicht sinnvoller, regelmäßig zu lüften“, fragte Baumgartner und warnte vor einer „Materialschlacht, bei der viel Geld verbrannt wird“. Für die 36 Zimmer in der Karl-Peter-Obermaier-Schule müssten immerhin Luftreiniger im Wert von 80.000 Euro angeschafft werden.Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann sprach sich grundsätzlich dafür aus, „alles mitzunehmen, was geht.“ Die Coronapandemie sei nicht schon im Sommer beendet, moderne Luftreiniger würden auch gegen Grippeviren helfen. „Außerdem glaube ich, dass es in Zukunft strengere Vorschriften für Schulen geben wird, was die Luftreinigung in den Klassenzimmern betrifft. Möglicherweise sind solche Geräte bald auch in vielen anderen Bereichen und Gebäuden Vorschrift."

Kommen Klimaanlagen in den Schulen?

"Vielleicht müssen die Schulen in absehbarer Zeit ja sogar Klimaanlagen haben. Lüften ist auf alle Fälle wichtig“, sagte Hohenwarths Bürgermeister Xaver Gmach. Wolfgang Kerscher wiederum hält Luftreiniger als Übergangslösung für einige Jahre durchaus für sinnvoll: „Es geht hier um Vorsorge.“ Arrachs Bürgermeister Gerhard Mühlbauer will „nichts versäumen und sich nicht später Vorwürfe gefallen lassen, nichts getan zu haben. Aber ich würde noch warten, bis die Förderzusagen klarer sind.“

Warnung vor einem Schnellschuss

Vor einem „Schnellschuss“ warnten auch Wolfgang Eckl (Blaibach) und Heinz Niedermayer (Rimbach). Miltachs Bürgermeister Johann Aumeier gab zu bedenken, dass man im Sommer freilich gut lüften könne, im Herbst und Winter würden die Kinder allerdings bei regelmäßigem Stoßlüften frieren. Im Herbst und Winter seien Luftreiniger eine sinnvolle Ergänzung, allerdings müsse der Staat bei der Förderung nachlegen. Eine Forderung, der sich auch Wolfgang Pilz anschloss.Da die Förderung für Luftreiniger bereits Ende April ausläuft – „Baumgartner: Wir müssten innerhalb von zwei Tagen Kaufverträge vorlegen.“ – einigte sich der Schulverband darauf, das Thema zu vertagen. „Warten wir doch lieber, bis klar ist, welche weiteren Zuschussmöglichkeiten es gibt“, schlug der Vorsitzende vor. Dem schlossen sich die Mitglieder an.Zu Beginn der Sitzung hatte Günther Kirchberger von der Regensburger Firma li-ex den Verbandsräten ein Luftreinigungsgerät vorgestellt, das die Raumluft durch UV-C-Strahlung entkeimt. Das Gerät reinigt ununterbrochen die in der Luft schwebenden Aerosole, ist kaum zu hören und kann in verschiedenen Montagevariationen in Klassenzimmern angebracht werden. Zwei bis drei Geräte pro Klassenzimmer seien notwendig, so Kirchberger. Die Lebensdauer der UV-C-Lampe sei auf 8.000 Betriebsstunden ausgelegt, auch danach habe sie noch einen Wirkungsgrad von 80 Prozent. „Unsere Geräte töten natürlich auch Grippeviren ab“, sagte er.

Bürgermeister im grünen Klassenzimmer

Auch wenn das Thema Luftreiniger im Mittelpunkt stand: Selber lüften mussten die Verbandsräte bei ihrer Zusammenkunft am Mittwoch nicht. Sie tagten erstmals im Freien im „grünen Klassenzimmer“ neben der Hausmeisterwohnung der Mittelschule und genossen bei ihren Beratungen das Frühlingswetter.

Schule im Coronamodus
Wie läuft der Schulbetrieb an der Karl-Peter-Obermeier-Schule in Coronazeiten? Darüber berichtete Rektor Mario Kleinert den Mitgliedern des Schulverbandes in aller Kürze. „Momentan sind nur die Abschlussklassen in Präsenzunterricht an der Schule. Und es läuft die Vorbereitung auf die Prüfungszeit“, sagte er. „Ich bin gespannt, wie diese aussehen und unter den erschwerten Bedingungen funktionieren.“ 20 Schüler und Schülerinnen seien derzeit in der Notbetreuung, und immer mehr Eltern wollen dieses Angebot annehmen. „Wir kommen langsam an die personellen Kapazitäten, tun aber unser Möglichstes“, so der Schulleiter. In der Notbetreuung finde allerdings kein normaler Unterricht statt. Die Teststrategie sieht der Chef der Mittelschule als gelungen an. Vor dem Unterricht und auch vor dem Schulhaus im Freien finden die Schnelltests statt. „Auch wenn es einigen Eltern nicht passt, so müssen wir die landesweiten Vorgaben umsetzen“, sagte er. Wenn ein Schüler positiv getestet wird, muss er sofort isoliert und an die Eltern übergeben werden. „Uns ist klar, dass Lehrern, Schülern und Eltern momentan viel zugemutet wird. Und wir werden alle zusammen auch im neuen Schuljahr viel Arbeit haben, wenn hoffentlich der Betrieb wieder normal läuft.“

Aus der Bad Kötztinger Zeitung vom 30.April 2021