Ausbildungsbetriebe stellten sich Acht- und Neuntklässlern der Mittelschule vor



Kein Mathe, kein Englisch, kein Natur und Technik: Einen Vormittag lang stand Berufsorientierung auf dem Stundenplan der Acht- und Neuntklässler der Karl-Peter-Obermaier-Mittelschule.

20 Ausbildungsbetriebe und Berufsfachschulen stellten den Schülern kürzlich beim Berufsinfotag die Perspektiven vor, die die Region für Mittelschüler zu bieten hat. Und das sind nicht wenige: Von den verschiedenen sozialen Berufen über Handwerk und Industrie bis zu Dienstleistung und „grünen Berufen“ reichte die Palette, die das Organisationsteam um Schulleiter Mario Kleinert und Berufsberater Jürgen Ziereis zusammengestellt hatte.

Die Schüler sollten einerseits „die Vielfalt des Ausbildungsangebots kennenlernen und auch über den Tellerrand hinausblicken“, wie es die Organisatoren formulierten. Kleinert freute sich, dass diese Veranstaltung als Fixpunkt der Berufsfindung in diesem Schuljahr wieder in Präsenz möglich war: „Eine Stärke der Mittelschule ist die Hilfe bei der Berufsorientierung. An unserem Berufswahltag konnten unsere Schüler viele verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten und Betriebe aus erster Hand kennenlernen.“

Auch wenn Formeln und Vokabeln einen Tag lang Pause hatten, mussten die angehenden Berufswähler hellwach sein, um die Fülle an Informationen aufzunehmen. Für jeweils vier Vorträge konnte sich jeder Schüler im Vorfeld eintragen und vielleicht den Chef oder die Chefin von morgen erleben. Denn auch die händeringend nach motiviertem Nachwuchs suchenden Betriebe nutzten die Möglichkeit, ihre Berufe zu präsentieren und auch das eine oder andere Vorurteil zu entkräften. So betonte etwa Michael Pritzl, Juniorchef des Arndorfer Haustechnik-Unternehmens, „dass die Zeiten schon lange vorbei sind, in denen wir in unserem Beruf Heizkörper in den dritten Stock schleppen müssen“. Vielmehr mache moderne Technik den Beruf des Anlagenmechanikers attraktiver und auch für Mädchen machbar, zugleich aber hinsichtlich der Anforderungen anspruchsvoller.

Über besonders großen Zuspruch – mit 36 Schülern der meistgewählte Vortrag – freute sich Johann Altmann, Leiter der Berufsschul-Außenstelle Furth im Wald, der mit drei Jung-Handwerkern nach Bad Kötzting gekommen war, um deren Ausbildungsberufe Maurer, Zimmerer und Schreiner vorzustellen. Melissa Ganserer aus der Klasse 8d hat dieser Beitrag jedenfalls überzeugt: „Ich fand den Berufswahltag sehr interessant und informativ, da ich viele Einblicke in die Firmen der Region erhalten habe. Bei meiner beruflichen Orientierung hat mir die Veranstaltung gut weitergeholfen. Besonders hat es mir der Beruf des Schreiners angetan, da ich in diesem Bereich eine Ausbildung machen möchte.“

Wie vielseitig der Pflegeberuf geworden ist, hat Lena Baumann aus der Klasse 8aM bei der Präsentation von Anneliese Schmuderer, Leiterin der Pflegeschule Bad Kötzting, herausgefunden: „Mir hat der Berufswahltag sehr gut gefallen. Durch den Vortrag zum Beruf der Pflegefachfrau habe ich erkannt, dass das vielleicht der richtige Beruf für mich sein könnte. Ich möchte daher in den Ferien ein Praktikum in diesem Beruf machen.“ Mit diesem Fazit trifft Lena Baumann den Nerv von Berufsberater Jürgen Ziereis, der genau darin den Zweck des Berufsinfotags sieht: „Ideen und Anregungen sammeln und diese dann im Praktikum vertiefen. Der Aktionstag sollte bei den Schülern Interesse wecken, sowohl durch Fakten als auch durch Emotionen.“

Dass die Berufswahl ein Stück weit auch eine Bauchentscheidung ist, nahmen Bäckermeister Martin Holzapfel und sein Metzgerkollege Josef Landstorfer aus Zandt wörtlich: Neben für manche Schüler durchaus überraschenden Erkenntnissen – etwa, dass die Arbeitszeiten in der Bäckerei gar nicht so „unmenschlich“ sind als gedacht oder über das durchaus verlockende Lehrlingsgehalt eines Metzgers – hatte das Gespann aus dem Lebensmittelhandwerk für die 20 Schüler, die sich für ihren gemeinsamen Vortrag entschieden hatten, auch eine leckere Brotzeit im Gepäck.


Aus der Kötztinger Zeitung vom 06.05.2022