Lieber Klartext reden als um den heißen Brei

Warum Mario Kleinert, Rektor an der Mittelschule, ein Freund deutlicher Worte ist


 Mario Kleinert 100 Tage 2

Einhundert Tage im Amt sind ein gern genommener Anlass, um nachzufragen. Dieser Zeitrahmen ist bei Mario Kleinert, der seit 1. August 2018 die Karl-Peter-Obermaier-Mittelschule in Bad Kötzting leitet, zwar schon etwas überschritten – doch was soll’s. An diesem trüben, nassen Dienstagvormittag erzählt der 44-jährige Rektor in seinem Büro im 1. Stock der Schule, inwieweit er an seiner neuen Wirkungsstätte angekommen ist und was seinen Arbeitsplatz so attraktiv für ihn macht.

Nach 13 Jahren in Miesbach zurück in die Heimat

Mario Kleinert 100 TageVor knapp einem Jahr fand im selben Raum ein Gespräch mit Kleinerts Vorgänger Michael Aumann statt, der sich im Februar 2018 in den Ruhestand verabschiedete. Im Büro scheint sich seither nur wenig verändert zu haben. An der einen Wand hängen die gleichen bunten Bilder aus Schülerhand, neu ist nur das großformatige Foto eines alten Gehöfts in weiter, tief verschneiter Landschaft. „Das ist der Blick, den wir aus unserer Wohnung in Miesbach hatten“, erklärt Kleinert.13 Jahre lang arbeitete der gebürtige Bad Kötztinger, der am Benedikt-Stattler-Gymnasium Abitur gemacht hatte, an der Mittelschule im oberbayerischen Miesbach, bevor er als Konrektor nach Roding wechselte. Zurück zu den Wurzeln. „Irgendwann stand für uns fest, dass wir wieder in den Landkreis Cham wollen“, erzählt er. Als dann die Rektorenstelle in Bad Kötzting frei wurde, zögerte er nicht. „Diese Chance konnte ich mir schlecht entgehen lassen.“Mittlerweile wohnt der Pädagoge mit Frau und einer Tochter im Grundschulalter in der Pfingstrittstadt, ein Haus wurde gebaut, der Garten wartet auf die Fertigstellung.

Problemloser Wechsel von Roding nach Bad Kötzting

Der Schulwechsel von Roding nach Bad Kötzting sei ihm leicht gefallen, auch wenn er sehr gerne dort gearbeitet habe. Die Rodinger Mittelschule beherbergt fast doppelt so viele Schüler wie die der Pfingstrittstadt mit rund 350 Kindern beziehungsweise Jugendlichen und 30 Lehrern. „Eine angenehme Größe“, kommentiert Kleinert seine neue Arbeitsstätte, „überschaubar und gut aufgestellt.“Überhaupt scheint der Lehrer, der sein Studium in Regensburg absolvierte, die richtige Wahl getroffen zu haben. „Ein prima Kollegium mit einer gut gemischten Altersstruktur, engagiert, innovativ, mit vielseitigen Stärken in allen wichtigen Fachbereichen“, zählt er die Vorzüge der Bad Kötztinger Mittelschule auf.„Das Haus hat einen guten Ruf und das zu Recht.“ In das Lob schließt er Michael Aumann und Erwin Molzan, der von März bis Juli kommissarisch die Schule leitete, mit ein: „Ich wurde mit offenen Armen empfangen und auch jetzt noch kann ich mich bei Fragen an meine Vorgänger wenden.“

„Nur gemeinsam sind wir stark“

Dass der Mittvierziger kaum etwas an der vorgefundenen Büroeinrichtung geändert hat, lässt Rückschlüsse auf seine Arbeitsweise zu. „Ich bin niemand, der sofort allen Dingen seinen persönlichen Stempel aufdrücken muss“, stellt er fest und fährt fort: „Es ist nicht meine Art, in jedem zweiten Satz zu sagen: ,In Roding haben wir das aber so oder so gemacht’.“Kleinert, der in jüngeren Jahren regelmäßig auf dem Fußballfeld kickte, stuft sich als Teamplayer ein: „Nur gemeinsam sind wir stark und können alle Aufgaben bewältigen.“Die Herausforderungen, die eine Mittelschule heutzutage an ihr Personal stellt, seien wesentlich komplexer als anno dazumal. „Die Probleme der Gesellschaft sind automatisch auch die einer Schule.“ Auf Jugendsozialarbeit könne man mittlerweile nicht mehr verzichten, immer öfter sei man gezwungen, Hilfe von außen zu holen. Kleinert und seine Kollegen wollen sich von den „sehr wenigen schwierigeren Fällen“ in der Schülerschaft aber nicht davon abhalten lassen, das „große Ganze“ zu sehen und genügend Aufmerksamkeit für alle Schüler zu haben.Für seine Schützlinge hat der Rektor übrigens ebenso viele lobende Worte parat wie für seine Mitstreiter: „Es macht Spaß, hier zu unterrichten.“Auch wenn er als Rektor weniger Unterrichtsstunden gibt als als Lehrer: „Vor der Klasse zu stehen und jungen Menschen Rüstzeug für Gegenwart und Zukunft zu vermitteln, das ist ein wesentlicher Aspekt unseres Berufes. Der sozial-emotionale Bereich rückt dabei immer mehr in den Fokus.“ Vorrangig dabei seien Respekt voreinander, die Schüler ernst zu nehmen und sich auf einer Augenhöhe zu begegnen.

Oberbayern - Oberpfalz: ein Mentalitätsunterschied

Übrigens, laut Kleinert unterscheiden sich die Schüler im Landkreis Cham durchaus von denen in Miesbach. „Es ist eine andere Mentalität“, begründet er seine These nach einer kurzen Pause. „Die Heranwachsenden hier sind – wie auch die Erwachsenen – bodenständiger, zurückgenommener, in der Region verwurzelt und verwenden eine Sprache, die manchmal ein bisschen roh klingt, aber klar und ehrlich ist.“ Eine Einstellung, die ihm auch persönlich entspricht: „Mir ist es lieber, deutliche und verständliche Worte zu gebrauchen, anstatt lange um den heißen Brei zu reden.“Er sei froh, wieder in der alten Heimat zu leben. Unabhängig davon pflege er die Kontakte zu Oberbayern. „Erst vorhin habe ich mit einem ehemaligen Kollegen telefoniert“, sagt er, während er aus dem Fenster in den wolkenverhangenen Himmel blickt. Schnürlregen, während es in Südbayern seit Tagen schneit.Kleinert schmunzelt: „Wäre ich noch in Miesbach, hätte ich jetzt die ganze Woche schulfrei.“


 

 Aus der Bad Kötztinger Zeitung vom 10. Januar 2019

 

 

 

 

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